Das Thema „Gebrauch von Giftgas gegen die Bevölkerung des Rif während der spanischen Besatzung Nordmarokkos“ ist in der letzten Zeit sehr präsent in den marokkanischen Medien. Viele Menschenrechte-Organisationen fordern Spanien auf, sich für dieses Verbrechen zu entschuldigen und Schadenersatz für die Opfer zu bezahlen.
Mustafa El Manssouri, der Vorsitzender des marokkanischen Parlaments, hat ende März laut der marokkanischen Zeitung Almassae in der Edition 785 unerwartet dieses Thema in der Presse angesprochen und Spanien für ihre jetzige Haltung gegenüber diesem Thema kritisiert.
Laut der offiziellen Statistik in Marokko sind die meisten Krebs-Kranken aus Nordmarokko. Viele Experten gehen davon aus, dass eine direkte Verbindung zwischen der Verwendung des Giftgases gegen Irifien und der hohen Quote der Krebs-Kranken in Nordmarokko besteht. Historiker sprechen sogar vom ersten Krieg in der Menschengeschichte, wo chemischen Waffen zum Einsatz gekommen sind.
Abdelkrim el Khattabi schaffte es, Anfang des 20 Jahrhundert das zerstrittene Rif-Stammen zu vereinen und eine Widerstandsbewegung gegen die spanische Besatzung zu führen. Bei der Schlacht von Annual am 22. Juli 1921 errangen die Truppen von Abdelkrim el Khattabi einen großen Sieg.
In Spanien spricht man im Zusammenhang mit der Schlacht vom Desaster von Annual. Die Niederlage führte in Spanien zu einer innenpolitischen Krise und zu einem Umdenken über die Kolonialpolitik in der Rifregion und natürlich zum Gebrauch von Giftgas als einziges Mittel, um die Irifien zu beschwächen und zu besiegen.
Die zwei deutschen Autoren Rudibert Kunz und Rolf-Dieter Müller haben in ihrem Buch „Giftgas gegen Abd el Krim: Deutschland, Spanien und der Gaskrieg in Spanisch-Marokko 1922–1927“ nachweisen können, dass das verwendete Giftgas in Deutschland hergestellt wurde und für Spanien zum Einsatz in Rif-Gebieten geliefert wurde.
MVTKS e.V. möchte in diesem Zusammenhang bekannt geben, dass bis ende 2009 ein großes und detailliertes Dossier über dieses Thema hier auf unserer Webseite veröffentlicht wird.
